Faire Lastenverteilung für Städte und Gemeinden
Mit Michael Meister konnte Albrecht Schütte einen hochkarätigen Bundespolitiker und ausgewiesenen Experten für die Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt in seinem Wahlkreis begrüßen. Meister gilt als erfahrener Finanz- und Haushaltspolitiker, der seit Jahren an den zentralen Stellschrauben staatlicher Koordination arbeitet – ein echter Einblick in den „Maschinenraum“ politischer Entscheidungen.
Dr. Albrecht Schütte MdL und Dr. Michael Meister MdB (Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt) (Foto: Team Schütte)Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie Bund, Länder und Kommunen ihre Aufgaben künftig fairer verteilen können. Schütte machte dabei deutlich: „Unsere Städte und Gemeinden sind das Fundament unseres Staates. Deshalb ist für uns klar: Baden-Württemberg lässt seine Kommunen nicht im Regen stehen.“ Tatsächlich leite kein anderes Bundesland einen so hohen Anteil aus dem Sondervermögen an seine Kommunen weiter – rund zwei Drittel kommen direkt vor Ort an. Am Beispiel der Ganztagsbetreuung wurde jedoch auch die strukturelle Schieflage deutlich. Schütte forderte: „Wer bestellt, muss auch bezahlen.“ Während der Bund gesetzliche Ansprüche schaffe, bleibe ein erheblicher Teil der Kosten bei Ländern und Kommunen hängen. Baden-Württemberg stemme hier mit Abstand den größten Anteil zur Unterstützung seiner Städte und Gemeinden.
Deutlich kritischer wurde Schütte beim Blick auf das Gesundheitssystem. Die aktuelle Finanzierung setze falsche Anreize: Kliniken in Baden-Württemberg erhielten für identische Leistungen weniger Geld als in anderen Bundesländern – trotz höherer Kosten. „Diese Unwucht muss dringend korrigiert werden“, so Schütte. Auch Meister unterstrich die Dramatik der Lage der Kommunalfinanzen. Nach Jahren stabiler Haushalte hätten sich zuletzt milliardenschwere Defizite aufgebaut, mit weiter steigender Tendenz. Gleichzeitig betonte er, dass Baden-Württemberg im Ländervergleich noch vergleichsweise gut dastehe – auch dank solider Haushaltsführung. Als Staatsminister, der eng in die Abstimmungen zwischen Bund und Ländern eingebunden ist, verwies Meister zudem auf seine Rolle in aktuellen Verhandlungen, etwa im Gesundheitsbereich. Hier habe man bereits wichtige Impulse setzen können, um strukturelle Probleme anzugehen und langfristig zu einer gerechteren Lastenverteilung zu kommen.
Neben der Finanzierungsfrage identifizierte Meister zentrale Herausforderungen für neues Wirtschaftswachstum: hohe Unternehmenssteuern, steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten und übermäßige Bürokratie. Geplante Reformen – insbesondere bei der Unternehmensbesteuerung – sollen Entlastung bringen. Wichtig sei dabei, dass der Bund kommunale Einnahmeausfälle zunächst ausgleiche. Die daraus resultierenden kommunalen Steuerausfälle von 13,5 Milliarden Euro werde der Bund in den ersten vier Jahren übernehmen.
Um Kommunen bei Förderprogrammen zu entlasten, solle zudem ein neues Gesetz die Übernahme von Eigenanteilen durch das Sondervermögen (bis zu 100 Prozent) ermöglichen. Schütte ergänzte, dass das Land diese Kofinanzierung bereits berücksichtige. Abschließend verwies Meister darauf, dass 29 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen gezielt für Krankenhäuser bereitgestellt werden sollen.
Die Botschaft des Abends war klar: Eine funktionierende staatliche Ordnung braucht starke Kommunen und dafür eine faire, verlässliche Zusammenarbeit aller Ebenen. Baden-Württemberg geht hier mit gutem Beispiel voran, doch auf Bundesebene besteht weiterhin Reformbedarf, insbesondere im Gesundheitswesen.